Unsere Geschichte
50 Jahre Bucharische Juden in Österreich –
Ein halbes Jahrhundert voller Leben und Herausforderungen, voller Mut und Weiterentwicklung. Drei Generationen haben ihre Spuren hinterlassen, Hürden wurden überwunden, Träume verwirklicht, Meilensteine gesetzt und das wiener-jüdische Leben bedeutend bereichert.
Aber woher stammen eigentlich die Bucharischen Juden?
Die Bucharischen Jüdinnen und Juden blicken auf eine lange und bewegte Geschichte zurück: Der Erzählung nach kehrten sie nach der Zerstörung des Ersten Tempels und der darauf folgenden babylonischen Gefangenschaft im achten Jahrhundert vor der allgemeinen Zeitrechnung nicht nach Jerusalem zurück. Stattdessen siedelten sie sich in Zentralasien an, wo sie entlang der Seidenstraße Handel betrieben und in den Bereichen Weberei, Färberei und als Goldschmiede tätig waren.
Ihre Sprache, das Bucharische, auch Buchori genannt, ist ein persischer Dialekt mit hebräischen und russischen Einsprengseln. Buchara wiederum war der Name einer Stadt, die schließlich zum Sammelbegriff für Jüdinnen und Juden aus Zentralasien wurde. Heute heißt sie Buchoro und liegt in Usbekistan. Die Bucharischen Jüdinnen und Juden lebten allerdings in einem weit größeren Gebiet – im heutigen Tadschikistan und Kasachstan ebenso wie in Turkmenistan, Kirgisistan und Usbekistan.
Mehr als 2.000 Jahre lebten die Bucharischen Juden in Zentralasien weitgehend abgeschnitten von den jüdischen Gemeinden anderswo auf der Welt. Das Wissen um die religiösen Vorschriften und auch Bräuche sowie Traditionen konnte nur mit größter Mühe am Leben gehalten werden.
Ende des 18. Jahrhunderts kamen Jüdische Gelehrte nach Buchara und stärkten das Wissen um Tora, Kaschrut, Gebote und Verbote. So hielten auch die sephardischen Riten Einzug in das gelebte Judentum, weshalb Bucharische Juden heute zu den Sepharden gezählt werden.
In der Zeit des Kommunismus war Religionsausübung weitgehend verboten. Ab den 1970er-Jahren wanderten daher viele Bucharische Jüdinnen und Juden aus der Sowjetunion aus. Viele von ihnen zog es in die Herzensheimat Israel, andere in die USA. Wien diente als Drehscheibe und Zwischenort, um dann in das eigentliche Zielland aufzubrechen. Manche zog es auch wieder zurück in die alte Heimat. Doch die Sowjetunion verwehrte die Wiedereinreise.
Nach und nach entstand so eine Bucharische Gemeinde, denn waren es zunächst nur einige wenige, kamen ab 1973 immer mehr Bucharische Familien nach Wien.
Die Jüdische Infrastruktur in Wien ist für ihre Mitgliederanzahl eine weltweit Unvergleichbare. Staunen Sie selbst darüber in folgenden Beiträgen wie in nur kürzester Zeit ein lebendiges und starkes Netzwerk von jüdischer Einrichtungen aller Art enstanden ist.
